Herr Puntila und sein Knecht Matti

von Bertolt Brecht. Mit Musik von Paul Dessau

„Wir zeigen Euch heute Abend hier, ein gewisses vorzeitliches Tier, … auf Deutsch ‚Gutsbesitzer‘ genannt.“ Eine wahre Geschichte, erzählt von seiner Gastgeberin im finnischen Exil, inspirierte Bertolt Brecht 1940 zu seinem märchenhaften Volksstück. Der reiche Bauer Puntila ist im betrunkenen Zustand ein geselliger Menschenfreund, aber während seiner „Anfälle von Nüchternheit“ mutiert er zum Tyrannen, der willkürlich sein Personal beschimpft oder entlässt. Puntilas Tochter Eva versucht, ihm den Alkohol zu verbieten, und wird dadurch ebenfalls zum Spielball seiner despotischen Eskapaden. Als Puntila sie zu einer Heirat zwingen will, inszeniert sie mit dem Chauffeur Matti ein vorgebliches Liebesverhältnis, das die Herrschaftsverhältnisse auf dem Gutshof noch zuspitzt.

Die Wirren des Zweiten Weltkriegs stets im Bewusstsein und finnische Birkenwälder vor Augen verfasste Bertolt Brecht seine komödienhafte Parabel: „Über den Puntila kann ich fast alles schreiben, über den Krieg nichts.“ Notierte er in sein Tagebuch. Die von dem Philosophen Hegel beschriebene dialektische Abhängigkeit von Herrn und Knecht führt nach Brechts Interpretation zu einer gemeinsamen Verantwortung aller Beteiligten für eine gerechtere Gesellschaft.

In der Tradition von Brechts Theaterpraxis inszeniert die Regisseurin und Schauspielerin Ruth Brauer-Kvam mit viel szenischem Humor und Live-Musik eine lustvolle Selbstermächtigung der Figuren. In der letzten Spielzeit hat sie mit großem Erfolg bei Publikum und Presse „Molières Schule der Frauen“ auf die Bühne des Landestheaters Niederösterreich gebracht.

Inszenierung: Ruth Brauer-Kvam; Bühne: Monika Rovan; Kostüme: Ursula Gaisböck; Musikalische Leitung: Kyrre Kvam.

Mit Tobias Artner, Tim Breyvogel, Marthe Lola Deutschmann, Philip Leonhard Kelz, Laura Laufenberg, Tilman Rose, Michael Scherff, Miloš Todorovski (Akkordeon).

Landestheater St. Pölten – Großes Haus: letzte Aufführung 12. März 2022
Zu Gast an der Bühne Baden Di 24.05.22, 19:30 und Mi 25.05.22, 11:00 und 19:30

Schwarzes Meer

von Irina Kastrinidis. Uraufführung!

Die leuchtende Farbkraft des Meeres, der Wind, die Sonne, der ewig blaue Himmel und die Gerüche des Südens erfüllen die Atmosphäre, die dem Erzählfluss von „Schwarzes Meer“ innewohnt. Irina Kastrinidis, die in Zürich lebende Autorin und Schauspielerin mit griechischen Wurzeln, „spielt“ in ihrem vielstimmigen Monolog mit dem Versmaß eines antiken Epos, verwebt Zeit- und Erzählebenen mit antiken Mythen und findet dabei einen ganz eigenen, zeitgemäßen Ausdruck.

Irina Kastrinidis erzählt von menschlichen Schicksalen, von einem dunklen Kapitel der europäischen Geschichte. Sie schickt in ihrem Theatertext die junge Frau Elefteria auf die Spuren ihrer Herkunft, zurück in die 1920er Jahre in die Küstenregion des Schwarzen Meeres, des Pontos. Im Griechisch-Türkischen Krieg wurden bis 1923 die Pontosgriechen ermordet oder zwangsdeportiert. Heute leben Elefterias Verwandte im Exil in ganz Europa verstreut: „Adressen ungewiss“.

In dieser weiblichen Odyssee quer durch Europa steht vor dem Hintergrund der politisch aufgeladenen Vergangenheit eine Liebesgeschichte im Zentrum: Mit Achilleas erlebt Elefteria eine tiefe Liebe und einen großen Sommer der Leidenschaft, bis sie mit einem anderen Paar zu viert am Strand sitzen, ein Machtkampf sich entzündet und eine Tragödie ihren Anfang nimmt …

Die Uraufführung von „Schwarzes Meer“ inszeniert der deutsche Regisseur Frank Castorf. Als langjähriger Intendant der Berliner Volksühne wurde er mit seinen Regiearbeiten zu einem der einflussreichsten und stilprägenden Theaterregisseure der Gegenwart. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, wie den Nestroypreis für sein Lebenswerk. Im vergangenen Jahr arbeitete er u.a. für das Wiener Burgtheater und die Staatsopern Wien und München.

Inszenierung: Frank Castorf; Bühne: Aleksandar Denić; Kostüme: Adriana Braga Peretzki.

Mit Julia Kreusch, Mikis Kastrinidis, Sebastian Schimböck

Landestheater St. Pölten – Großes Haus: letzte Aufführung 22. März 2022

Die Blendung - ABGESAGT

nach dem Roman von Elias Canetti In einer Dramatisierung von Paulus Hochgatterer.

Bücher beherrschen die Welt des verschrobenen Wissenschaftlers und „größten lebenden Sinologen“ Peter Kien. Für die Realität hat Kien keinen Sinn, vielmehr führt er ein skurriles Höhlenleben in seiner Bibliothek von 25.000 Werken. In seinem Kopf treten die gelehrten Schriften miteinander in Dialog. Echte Gespräche mit anderen Menschen versucht er hingegen zu vermeiden. Eines Tages beobachtet er, wie sorgsam seine Haushälterin Therese mit seinen Büchern umgeht, und er beschließt spontan, sie zu heiraten. Doch schon am ersten Abend der Ehe bringt Therese beim Versuch, Kien zu verführen, seine Ordnung mit einer Handbewegung durcheinander. Hat sie mit Absicht den Stapel Bücher vom seinem Schlafdiwan gestoßen? Kiens totalitäres Gedankengebäude gerät ins Wanken und sein System beginnt ins Chaos zu stürzen.

Unter dem Eindruck des aufkommenden Nationalsozialismus schrieb Elias Canetti seinen einzigen Roman „Die Blendung“, für den er Jahrzehnte später 1981 den Nobelpreis erhielt. Der empathielose Peter Kien, die habgierige Therese, ihr brutaler Geliebter Pfaff, der Betrüger Fischerle, sie alle können als Zeitgenossen und Zeitgenossinnen des gesellschaftlichen Umbruchs in den 1930er Jahren interpretiert werden. Kiens Geschichte ist aber auch die des heutigen westlichen Kapitalismus, für den wir bereit sind, große Kompromisse einzugehen, um den zerstörerischen Status quo aufrechtzuerhalten.

Mit hoher Musikalität, den Mitteln der Groteske und dem einzigartigen Zusammenspiel von Schauspieler und Schauspielerinnen und Puppen kreiert der vielfach ausgezeichnete Regisseur und Puppenspieler Nikolaus Habjan seine Theaterwelten. In seinen Inszenierungen beschäftigt er sich seit vielen Jahren künstlerisch mit der Zeitgeschichte Österreichs und mit totalitären Gesellschaftsstrukturen. Für die Dramatisierung von Canettis Roman konnte der renommierte Schriftsteller und Psychiater Paulus Hochgatterer gewonnen werden.

Inszenierung: Nikolaus Habjan; Bühne: Jakob Brossmann; Kostüme: Denise Heschl; Musik: Kyrre Kvam.

Mit Tim Breyvogel, Bettina Kerl, Julia Kreusch, Laura Laufenberg, Manuela Linshalm, Tilman Rose u.a.

Landestheater St. Pölten – Großes Haus: Premiere  5. März 2022; letzte Aufführung 12. Mai 2022
Zu Gast an der Bühne Baden: Di 24.05.22 und Mi 25.05.22, 19:30

Vertrag von Marie Rötzer verlängert

Das Landestheater Niederösterreich verlängert den Vertrag von Marie Rötzer, der künstlerischen Leiterin bis Juni 2028 und unterstreicht mit dieser Entscheidung den erfolgreichen Weg ihrer Arbeit für das Haus.

Marie Rötzer ist seit der Spielzeit 2016/17 künstlerische Leiterin des Landestheaters Niederösterreich in St. Pölten. Das Haus hat sich mit seinem ausgezeichneten Ensemble, prominenten Gästen und internationalen Leading Teams, Ur- und Erstaufführungen, Gastspielen renommierter deutschsprachiger Bühnen wie dem Thalia Theater Hamburg, dem Schauspielhaus Zürich oder dem Berliner Ensemble, mehrsprachigen Koproduktionen z.B. mit dem NTGent oder dem Toneelhuis Antwerpen, sowie zahlreichen partizipativen Formaten, wie dem „Erinnerungsbüro“ oder dem Bürgertheater, innerhalb der europäischen Theaterlandschaft zu einer namhaften und festen Größe entwickelt. Einladungen zu internationalen Festivals wie „Radikal jung“ in München sowie drei Nestroy-Preise und Auszeichnungen im Bereich Theater für ein junges Publikum sind eine sichtbare Anerkennung der Arbeit von Marie Rötzer, die auch in der nationalen und internationalen Presse breite und positive Resonanz findet.

In der Spielzeit 2018/19, der letzten Spielzeit vor der Corona-Pandemie, konnten die höchsten Besucherzahlen seit Bestehen des Landestheaters Niederösterreich erreicht werden. In der aktuellen noch jungen Spielzeit sind mit „Yellow“, einer internationalen Koproduktion mit dem NTGent in der Regie von Luk Perceval, Thomas Manns „Der Zauberberg“ in der Regie von Sara Ostertag – einer internationalen Koproduktion mit dem Grand Théâtre de la Ville de Luxemburg – und Shakespeares „Othello“ in der Regie von Rikki Henry, einer Inszenierung, der eben ein großer Bericht in der New York Times in der U.S. Ausgabe und der internationalen Ausgabe sowie auch online gewidmet war sowie dem Familienstück „Das kleine Gespenst“ in der Regie von Asli Kislal, erfolgreich vier Premieren vor dem neuerlichen Lockdown gelungen.

In der aktuellen Spielzeit finden sich im Großen Haus des weiteren noch Regiearbeiten von Frank Castorf („Schwarzes Meer“ von Irina Kastrinidis, Uraufführung 29.01.22), Nikolaus Habjan („Die Blendung“ von Elias Canetti, in einer Fassung von Paulus Hochgatterer, Premiere 05.03.22), Ruth Brauer-Kvam („Herr Puntila und sein Knecht Matti“ von Bertolt Brecht, Premiere im Jänner 22), Alexander Pschill und Kaja Dymnicki („Der Talisman“ von Johann Nepomuk Nestroy, Premiere 20.05.22), sowie Gastspiele und Lesungen und mit „1922 – 2022 Frauenleben in Niederösterreich“ ein Bürgertheaterprojekt im Rahmen von 100 Jahre Niederösterreich (Uraufführung 22.04.22).

Marie Rötzers aktueller Vertrag läuft bis Ende Juni 2023, jetzt wurde eine Vertragsverlängerung um weitere 5 Jahre bis Juni 2028 vereinbart.

„Ich freue mich sehr, unsere künstlerischen Linien auch in den nächsten Spielzeiten weiterverfolgen und weiterentwickeln zu können. Das Landestheater Niederösterreich wird sich weiterhin in die sozialen, gesellschafts- und umweltpolitischen Diskurse unserer Gegenwart einmischen. Es wird auch zukünftig ein Haus sein, dass zum einen mit internationalen Künstlerteams und Theaterhäusern zusammenarbeitet und zum anderen mit der lokalen Kulturszene verbunden ist. Durch die Pandemie sind aber auch viele gesellschaftliche Themen neu zu definieren. So wollen wir an einem Theater der Zukunft arbeiten, das sich den neuen Herausforderungen stellen wird, und hoffe dabei auf ein Publikum, das weiter so neugierig und offen an unseren künstlerischen Prozessen teilnimmt.“ Marie Rötzer, Künstlerische Leiterin Landestheater Niederösterreich.

„Ich freue mich sehr, dass Marie Rötzer weiterhin die Geschicke des Landestheaters Niederösterreich künstlerisch leiten wird. Ihr ist es hervorragend gelungen das Haus national und international zu positionieren und damit ein starkes Zeichen für das kulturelle Potential Niederösterreichs zu setzen. Nestroy-Preise, Auszeichnungen und Nominierungen für das Kinder- und Jugendtheater, Einladungen zu internationalen Festivals, nationale und internationale Medienresonanz, wie jüngst ein großer Bericht in allen Ausgaben der New York Times, bestätigen den Weg des Hauses. Marie Rötzer hat das Landestheater Niederösterreich als kulturellen Leuchtturm etabliert und dabei mit ihrem Spielplan sowie zahlreichen Formaten und niederschwelligen Angeboten die Rolle des Hauses als regionaler Kulturversorger, auch im Bereich des Theaters für ein junges Publikum, ausgebaut. Ich wünsche Marie Rötzer und ihrem Team weiterhin viel Erfolg und Kreativität für die Herausforderungen, die die Zukunft im Hinblick auf die Bewältigung der Corona Pandemie sowie auf die Themen Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Wandel noch bringen wird.“ Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

„Ich freue mich persönlich sehr über die Verlängerung des Vertrages der künstlerischen Leiterin des Landestheaters Niederösterreich, weil damit eine in den letzten Jahren begonnene engagierte Theaterarbeit konsequent fortgesetzt werden kann. Davon zeugen: Ein junges Ensemble voller Tatendrang, das sich nicht nur im Theater präsentiert, sondern auch in der Stadt präsent ist. Dazu kommt eine Stückauswahl, die den schauspielerischen Qualitäten des Ensembles optimal entgegenkommt und junge internationale Regisseurinnen und Regisseure, die auch in klassischen Stücken aktuelle gesellschaftsrelevante Themen zu finden verstehen. Viele Auszeichnungen der letzten Jahre sprechen für sich! Dass die renommierte New York Times neulich eine mehr als positive Kritik über ein Stück des St. Pöltner Theaters veröffentlichte, adelt die Arbeit Marie Rötzers auf ganz besondere Art und Weise. Chapeau und weitere erfolgreiche Jahre hier in der Nachbarschaft auf dem Rathausplatz in St. Pölten.“ Matthias Stadler, Bürgermeister der Landeshauptstadt St. Pölten.

„Marie Rötzer hat das Landestheater Niederösterreich sowohl in Österreich als auch über die Landesgrenzen hinaus als eines der renommiertesten deutschen Sprechtheater positioniert, dessen Programm vom Publikum begeistert aufgenommen wird. Zudem wird das Landestheater Niederösterreich unter ihrer Leitung seine Position als Kompetenzzentrum für Kinder- und Jugendtheater in Niederösterreich weiter ausbauen und dabei vor allem die Entwicklung des Theaters für junges Publikum in Baden und Wiener Neustadt fördern.“ Paul Gessl, Geschäftsführer der NÖKU-Gruppe.

„Marie Rötzer bleibt noch viele Jahre bei uns, das ist eine große Freude. Ihre Qualitäten in der Intendanz unseres Landestheaters sind exzellent. Durchwegs hervorragende Eigenproduktionen, gewürdigt mit drei Nestroy-Auszeichnungen und der Blick über den Tellerrand mit interessanten Gastspielaufführungen. Ihre Umsicht, während der Lockdown- Phasen zeugt von besonderer Führungsqualität. Für unseren Kulturverein hatte sie stets Wertschätzung gezeigt, so freuen sich alle auf wieder charmante Begegnungen und Diskussionen mit Marie Rötzer und ich wünsche ihr, dass wir 200 Jahre Theater in St. Pölten mit ihr nachfeiern können.“ Lothar Fiedler, Präsident des Vereins der Freunde der Kultur St. Pölten.

Marie Rötzer, geboren in Niederösterreich, studierte in Wien Theaterwissenschaft und Germanistik. Während ihres Studiums war sie am damaligen Stadttheater St. Pölten als Dramaturgin engagiert. 1996 reiste sie in die Ukraine und arbeitete dort als Lektorin an der Universität Czernowitz. 1997 wurde sie in Berlin am Maxim-Gorki-Theater als Dramaturgie Assistentin und später als Dramaturgin engagiert.

2001 wechselte sie als Dramaturgin, dann als Chefdramaturgin ans Schauspielhaus Graz. Ab 2006 arbeitete sie im Team von Intendant Matthias Fontheim als Chefdramaturgin am Staatstheater Mainz. Neben ihrer Tätigkeit als Dramaturgin war sie an der Uni Mainz als Lehrbeauftragte und bei der Theaterbiennale „Neue Stücke aus Europa“ als Kuratorin engagiert. Von Dezember 2012 bis Juni 2015 war Marie Rötzer persönliche Referentin des Intendanten Joachim Lux am Thalia Theater in Hamburg. Seit der Spielzeit 2016/17 ist sie künstlerische Leiterin des Landestheaters Niederösterreich in St. Pölten. Marie Rötzer ist zudem Sprecherin der „Österreichischen Intendantengruppe“ der Intendantinnen und Intendanten der Theater der Bundesländer in Österreich.

Othello

von William Shakespeare

Wer ist Othello? Ein gefeierter Volksheld, der mehrere Seeschlachten für die Republik Venedig gewonnen hat? Ein siegreicher General, der mit strategischem Kalkül Venedigs Stellung als europäische Handelsmacht zwischen Ost und West festigen konnte? Oder nur ein Eindringling, der sich geschickt Zutritt zur venezianischen Oberschicht verschafft hat? Als Othello die Senatorentochter Desdemona heimlich zur Frau nimmt, wird aus verdeckten Ressentiments offener Rassismus.

Othello ist nun „the moor, the thicklips“. In der streng hierarchischen Männergesellschaft wird er zur Projektionsfläche für Neider und zur Zielscheibe für Missgunst und Hass gegen alles Fremde. Ohne sein Wissen schafft er sich Feinde, im privaten wie im beruflichen Umfeld. Die Liebe zu Desdemona bringt Othellos Nebenbuhler Rodrigo gegen ihn auf. Jago, sein Fähnrich, fühlt sich übergangen, da Othello einen Mitbewerber zum Leutnant befördert hat. Jago will Rache. Als Othello auf Zypern das venezianische Militär anführt, um den Angriff der Türken abzuwehren, gelingt es Jago, ein perfides Netz aus Fake News, Lügen und Intrigen zu spinnen. Er sät Zweifel an Desdemonas Treue und treibt damit Othello bis zum Äußersten.

„Othello“, 1603 entstanden, ist eine große Rachetragödie und hochemotionales Eifersuchtsdrama zugleich. Es geht um rassistische Stereotype, gesellschaftliche Vorurteile, archaische Männlichkeitsbilder und um die Zerbrechlichkeit einer Liebe. Für seine Inszenierung von „Hamlet“ am Landestheater Niederösterreich wurde der junge Londoner Regisseur Rikki Henry mit dem Nestroypreis ausgezeichnet. Mit „Othello“ setzt er seine Auseinandersetzung mit dem Shakespeare’schen Werk und einer zeitgenössischen und atmosphärischen Inszenierungsästhetik fort.

Inszenierung: Rikki Henry; Bühne: Anna Sörensen, Leonie Kohut; Kostüme: Henriette Müller; Musik: Nils Strunk; Video: Markus Kautz; Choreografie: Martin Woldan.

Mit Tim Breyvogel, Marthe Lola Deutschmann, Philip Leonhard Kelz, Bettina Kerl, Laura Laufenberg, Nicholas Monu, Tilman Rose, Michael Scherff.

Landestheater St. Pölten – Großes Haus: letzte Aufführung 4. Dezember 2021
Zu Gast an der Bühne Baden Di 21.12.21, 19:30 und Mi 22.12.21, 11:00 und 19:30

Der Zauberberg

von Thomas Mann. Eine Koproduktion mit dem Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg.

Hoch oben in den Schweizer Alpen liegt das Sanatorium Berghof. Während Europa im frühen 20. Jahrhundert von Innovationen und Reformen, Krisen und Kriegen in Atem gehalten wird, vergeht hier in der elitären Lungenheilanstalt „die Zeit ganz anders“.

Liegekuren, lange Spaziergänge im Schnee und fünf ausgiebige Mahlzeiten bestimmen die tägliche Routine der internationalen Patientenschaft. Ein ganzer Kosmos von Wissenschaft, Philosophie und Kunst erfüllt ihre Gespräche. Aber das Kranksein und die Therapien schaffen eine eigenartige Distanz zum Weltenlauf. Eingewickelt in dicke Decken richtet sich der Blick nach innen, auf große Fragen des Menschseins und die Nähe zum Tod. Diese faszinierende Atmosphäre zieht Hans Castorp sofort in den Bann. Der junge Schiffbautechniker kommt zunächst als Urlauber auf den Berghof, wo er seinen Cousin besucht. Doch schon bald nimmt er auf Anraten von Oberarzt Dr. Behrens an den medizinischen Kuren teil. Er befreundet sich mit dem italienischen Schriftsteller Settembrini und erliegt dem widerspenstigen Charme der Russin Clawdia Chauchat. Der norddeutsche „Parzival“ lernt im Berghof die Liebe kennen, Eifersucht und Abgründe, intellektuelle Freiheit und die gewaltige Schönheit der Natur. Bis hinter den Bergspitzen der Vorabend des Ersten Weltkriegs dämmert.

Ein „Menschheitsbuch“ nannte Thomas Mann sein 1924 erschienenes Opus Magnum. Regisseurin Sara Ostertag, die für ihre poetisch-musikalischen Inszenierungen vielfach ausgezeichnet wurde, überprüft den intellektuellen Abenteuerroman als Parabel auf den Zustand unserer Wohlstandsgesellschaft. Mit Musik von Clara Luzia wird „Der Zauberberg“ als internationale Koproduktion mit dem Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg auf die Bühne gebracht.

Inszenierung: Sara Ostertag; Bühne: Nanna Neudeck; Kostüme: Clio Van Aerde; Musik: Clara Luzia, Catharina Priemer-Humpel; Choreografie: Steffi Wieser.

Mit Tim Breyvogel, Bettina Kerl, Laura Laufenberg, Clara Luzia, Catharina Priemer-Humpel, Tilman Rose, Michael Scherff, Jeanne Werner.

Landestheater St. Pölten – Großes Haus: letzte Vorstellung 12. Jänner 2022
Zu Gast an der Bühne Baden: Di 05. 10. 2021und Mi 06. 10. 2021

YELLOW – The Sorrows of Belgium II: REX

von Peter van Kraaij, Steven Heene und Margit Niederhuber. URAUFFÜHRUNG!

Eine Koproduktion mit dem NTGent und dem Theater Manège Maubeuge.

1933–1936. In Österreich herrscht der Austrofaschismus. In Deutschland wollen die Nationalsozialisten die Grenzen des Landes verschieben. Belgische Politiker, wie Léon Degrelle, gründeten faschistische Parteien und überzeugten viele junge Wallonen und Flamen im Zweiten Weltkrieg auf Seiten der Nazis zu kämpfen. In „Yellow“ engagiert sich eine flämische Familie mit großer Begeisterung für Hitler. Nur ein Onkel steht außerhalb dieser Ideologie und versucht, einer aus Wien geflohenen jüdischen Frau zu helfen. Nach und nach kommen innerhalb der Familie Zweifel gegenüber dem Nationalsozialismus auf. Viele andere haben sich nie ihrer Verantwortung gestellt. Wie der österreichische SS-Verbrecher Otto Skorzeny, der nach dem Krieg mit Degrelle unter Francos Regime in Spanien unbehelligt den Traum eines faschistischen Europas wiederbeleben will.

In seiner Trilogie „The Sorrows of Belgium“ bearbeitet Regisseur Luk Perceval, einer der bedeutendsten europäischen Gegenwartsregisseure, die verdrängte Geschichte Belgiens. In „Yellow“, dem zweiten Teil, werden neben der Kollaboration der Belgier mit den Nazis auch die österreichisch-jüdischen Verstrickungen beleuchtet. Die poetisch-sinnlichen Bilder der auf Brieftexten basierenden Inszenierung spiegeln die schmerzhaften Familiengeschichten dieser dunklen Zeit wider.

Inszenierung: Luk Perceval; Bühne: Annette Kurz: Kostüme: Ilse Vandenbussche; Musik: Sam Gysel; Choreografie: Ted Stoffer.

Mit Sam Gysel, Philip Leonhard Kelz, Bert Luppes, Oscar Van Rompay, Peter Seynaeve, Maria Shulga, Chris Thys, Valéry Warnotte, Lien Wildemeersch.

Landestheater St. Pölten – Großes Haus: letzte Aufführung 11. November 2021

Der Talisman

Von Johann Nepomuk Nestroy

Willkommen in einer Welt, die ihr Glück mehr vom Schein als vom Sein abhängig macht: Alle Menschen haben hier die gleichen Chancen, fast alle, nur die Rothaarigen nicht! Ob Frau oder Mann, jung oder alt, den „Rotkopferten“ begegnet man auf dem Schloss der Gräfin von Cypressenburg mit Geringschätzung und Ausgrenzung. Wegen ihrer roten Haare werden die Gänsemagd Salome Pockerl und der vagabundierende Barbiergesell Titus Feuerfuchs diskriminiert und „abgehängt“. Doch während die selbstbewusste Salome von der Schönheit ihrer morgensonnigen Haarpracht überzeugt ist und sofort in Begeisterung entflammt, als sie ihren Leidensgenossen Titus kennenlernt, ist dieser frustriert von der ignoranten Gesellschaft. Als Titus den Friseur Marquis vor einem Unfall bewahrt und zum Dank eine schwarze Perücke erhält, nimmt sein Leben eine plötzliche Wende: Mit neuer Haarfarbe wird er zum Objekt der Begier-de dreier konkurrierender Witwen und dem sozialen Auf-stieg im Schloss steht nichts mehr im Wege …

Voller hinreißender Komik, witzesprühender Dialoge und messerscharfer Kritik an den Verhältnissen seiner Zeit ist „Der Talisman“ eines der großen Meisterwerke von Johann Nepomuk Nestroy. Aus jeder Silbe schlägt ein Geistesblitz. Nestroy sei „der erste deutsche Satiriker“, dessen Sprache sich „Gedanken macht über die Dinge“, so beschrieb Karl Kraus die herausragende Sprachkunst Nestroys. Das Regieduo und Theaterleiter-Pärchen Kaja Dymnicki und Alexander Pschill, die auf der Wiener Bühne „Bronski & Grünberg“ Furore machen, ist für seinen rasant-erzählerischen, witzig klugen Inszenierungsstil bekannt. Sie bringen „Der Talisman“ mit viel Musik und eigenen Couplets so auf die Bühne, dass sich Intellekt und Sinnlichkeit leichtfüßig begegnen.

Besetzung: Florian Carove, Christian Dolezal, Doris Hindinger, Laura Laufenberg, Stefan Lasko, Tilman Rose, Emilia Rupperti, Michael Scherff.
Inszenierung und Bühne: Alexander Pschill und Kaja Dymnicki; Kostüme: Alfred Mayerhofer; Musik; Stefan Lasko.

Landestheater NÖ – Großes Haus: Premiere Sa 20. März 2021; letzte Vorstellung 25. Mai 2021
Zu Gast an der Bühne Baden: 27. Und 28. Mai 202,

Christoph Kolumbus

Deutschsprachige Erstaufführung. Von Miroslav Krleza; aus dem Kroatischen von Sead Muhamedagic. Eine internationale und mehrsprachige Koproduktion mit den Vereinigten Bühnen Bozen.

Als der Entdecker und Seefahrer Christoph Kolumbus 1492 in See sticht, befindet sich Europa in extremen Umbrüchen. Neben Krisen und Krankheiten schaffen neue wissenschaftliche Erkenntnisse, zum Beispiel, dass die Erde keine Scheibe ist, große Unsicherheiten. Was für die einen den Weltuntergang bedeutet, ist für die anderen ein Weg in eine strahlende Zukunft. Der kroatische Dramatiker Miroslav Krleža erzählt in seinem 1917 entstandenen Stück über die abenteuerliche Entdeckungsreise von Christoph Kolumbus. Er beschreibt Kolumbus als Visionär, als eine moderne Erlöser-Figur, der seinen Matrosen für ihre Strapazen und ihre beschwerliche Seefahrt über den Ozean eine ungeahnte Freiheit und eine glorreiche Zukunft in der Neuen Welt verspricht. Doch die meuternde Mannschaft will Brot und keine Heilserwartung, die Männer wollen Goldschätze und nicht die leeren Versprechungen eines Idealisten …

In „Christoph Kolumbus“ verdichtet Miroslav Krleža die Ideale der sozialistischen Revolution mit der Botschaft aus der katholischen Heilsgeschichte. Erwartet uns am Ende dieser Reise eine ,Neue Welt‘, in der sich die humanistischen Werte verwirklichen lassen oder geht die Fahrt an einen Ort, an dem die Macht spiele der alten Welt nur vor neuer Kulisse stattfinden? Rene Medvešek wird das Kolumbus-Projekt als beeindruckendes Oratorium und großes, formstarkes Musiktheater mit einem mehrsprachigen Ensemble auf die Bühne bringen.

Besetzung: Tim Breyvogel, Dennis Cubic, Max G. Fischnaller, Doris Hindinger, Christoph Kail, Ivana Krizmanic, Emilia Rupperti, Lukas Spisser, Sara Stanic.
Inszenierung: Rene Medvešek: Bühne: Tanja Lacko, Rene Medvešek; Kostüme: Aleksandra Kica Musik, Matija Antoliic.

NÖ Landestheater – Großes Haus: letzte Vorstellung 10. Februar 2021

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Nach Thomas Mann

„Es ist ein allgemeines, menschliches Bedürfnis, sich täuschen zu lassen“, schreibt Felix Krull in seinen „Memoiren“. Diese Erkenntnis, dass fast überall nur der Schein gilt, nicht das Wesen, macht sich Thomas Manns charmantester Held geschickt zunutze. Nach dem Bankrott und Selbstmord seines Vaters reist er nach Paris, um dort als Liftboy in einem Luxushotel sein Geld zu verdienen. Aber es finden sich noch andere Einnahmequellen. Sein erstes Diebesgut ist ein Schmuckkästchen, das ihm den Lebensstil der Schönen und Reichen ermöglicht. Sofort beherrscht er die Klaviatur der feinen Unterschiede und er bewegt sich sicher auf jedem Parkett. Alles, was die Menschen in ihm sehen wollen, kann er verkörpern. Als ihn der von Enterbung bedrohte Marquis de Venosta bittet, unter seinem Namen eine Reise anzutreten, scheint einem glanzvollen Leben in höchsten gesellschaftlichen Kreisen nichts mehr im Wege zu stehen …

Mit der ihm eigenen Ironie schildert Thomas Mann zu Beginn des krisenreichen 20. Jahrhunderts seine „Helden des Zeitalters“, die am Widerspruch von äußerer Geltung und innerer Einsamkeit leiden. Der Schelmenroman gilt bis heute als das erfolgreichste Werk des Nobelpreisträgers und wurde vielfach verfilmt. Regisseur Felix Hafner nimmt die Geschichte des smarten Kriminellen und hinreißenden Phantasten zum Anlass, um die Frage „Will die Welt betrogen werden?“ neu zu stellen.

Besetzung: Tobias Artner, Laura Laufenberg, Tilman Rose, Michael Scherff u.a.
Inszenierung: Felix Hafner; Bühne und Kostüme: Anna Sörensen; Musik: Bernhard Eder.

NÖ Landestheater – Großes Haus: letzte Vorstellung 11. November 2020

Figaros Hochzeit (aber nicht die Oper!)

Die Geschichte eines Revolutionären Friseurs, nach Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo da Ponte

Figaro, der Diener und Friseur des Grafen, liebt Susanna. Auch der Graf begehrt Susanna, aber das darf seine Ehefrau nicht wissen. Marcellina, bei der Figaro Schulden hat, will die Hochzeit platzen lassen und ihn selbst heiraten. Der Page Cherubino schwärmt für alle Frauen. „Figaros Hochzeit“ gehört zu den beliebtesten Opern, aber auch zu den Opern mit den verwickeltsten Librettos: Wer liebt wen? Und warum darf das Liebespaar nicht heiraten? Warum muss sich immer jemand verstecken oder verkleiden? Und was steckt hinter diesem Spiel um Liebe und Täuschung?

Mozarts italienische Oper basiert auf dem französischen Lustspiel „Der tolle Tag“ von Pierre­ Augustin Caron de Beaumarchais aus dem Jahre 1784, ein Stück mit revolutionärem Zündstoff, das scharfe Kritik an den politischen Zuständen im vorrevolutionären Frankreich übte. Mozart sah darin den geeigneten Stoff für eine Oper über die Abschaffung adeliger Privilegien und die Gleichstellung aller Untertanen.

Gemeinsam mit seinem Schauspiel-Ensemble geht der Regisseur Philipp Moschitz lustvoll auf eine musikalisch-theatrale Entdeckungsreise in die unbekannten Regionen des Mozart’schen Kosmos. Philipp Moschitz hat in der letzten Spielzeit mit seiner Inszenierung der Komödie „Um die Wette“ für Begeisterung bei Publikum und Presse gesorgt und wurde damit zum international renommierten Regie­ Festival „Radikal Jung“ in München eingeladen.

Besetzung: Marthe Lola Deutschmann, Katharina Haindl, Tilman Rose, Michael Scherff.
Inszenierung Philipp Moschitz; Bühne und Kostüme Isabelle Kittnar

Landestheater St. Pölten – Großes Haus: letzte Aufführung 6. 5. 2020
Zu Gast an der Bühne Baden: 19. & 20. 5. 2020

Italienische Nacht

von Ödön von Horváth

1930 im oberbayerischen Murnau: Einen bunten Abend mit Musik und Tanz haben die Mitglieder vom sozialdemokratischen „Schutzbund der Republikaner“ in einem Gartenlokal organisiert, ihre „Italienische Nacht“. Und sie wollen beim Feiern von niemandem gestört werden. Draußen marschieren allerdings die Faschisten auf und begehen ihren „deutschen Tag“. Ein Konflikt zwischen den beiden verfeindeten Parteien scheint an diesem Abend unvermeidbar … Noch könnten die Republikaner den Faschismus abwenden, noch könnte Mut und Zivilcourage über den Opportunismus und die Feigheit vor den aufsteigenden Nazi siegen. Aber private Probleme und politisch-ideologische Streitereien scheinen den Sozialdemokraten wichtiger zu sein, als der Kampf um den Bestand der Demokratie.

Scharfsichtig und mit witzigen Dialogen spiegelt Horvath in seiner abgründigen „Komödie“ die politischen Verhältnisse der 30er Jahre und ihre Folgen. Noch während die Proben zur Uraufführung in Berlin liefen, sprengten im Februar 1931 Nationalsozialisten eine Versammlung der Sozialdemokraten. Horváth war Zeuge der Massenschlägerei, die 26 Verletzte und über 100 kaputte Bierkrüge hinterließ. Nach „Das goldene Vließ“, „Dantons Tod“ und „Ödipus / Antigone“ inszeniert die spanische Regisseurin Alia Luque erneut einen hochpolitischen Theaterstoff am Landestheater.

Besetzung: Tobias Artner, Silja Bächli, Tim Breyvogel, Marthe Lola Deutschmann, Bettina Kerl, Tilman Rose, Michael Scherff.
Inszenierung Alia Luque; Bühne Christoph Rufer; Kostüm Alia Luque und Christoph Rufer; Körpertraining Daniela Mühlbauer

Landestheater St. Pölten – Großes Haus: Premiere 30. 11. 2019 19 30 Uhr; letzte Aufführung 22. 2. 2020
Zu Gast an der Bühne Baden: 18. & 19. 2. 2020

Der Parasit

von Friedrich Schiller ach dem Französischen des Louis Benoît Picard. Eine Koproduktion mit dem Stadttheater Klagenfurt

Diese Spezies gibt es überall. Parasiten, die am Kuchen mitnaschen und das Rezept als ihr eigenes verkaufen. Nur die Krümel dürfen die anderen wegputzen. Man kennt sie: Kollegen, die immer ein bisschen länger in der Chefetage sitzen, die gerne fremde Ideen als ihre eigenen ausgeben, geht aber was schief, dann schicken sie jemand anderen vor. Zahlen werden frisiert, Gelder veruntreut, kaum ist der Skandal aufgedeckt, wird versucht, die Fakten zu vertuschen, sodass niemand für den Schaden verantwortlich ist. Bei Friedrich Schiller ist der Parasit auf den mittleren Sprossen der Karriereleiter zu finden. Dort siedelt er im gehobenen Beamtenmilieu sein furioses Lustspiel an, das mit feinstem Komödienbesteck die Winkelzüge des titelgebenden Parasiten Selicour und die Mechanismen von Manipulation und Machtgewinn filetiert. Wird Selicour seine Kollegen aus dem Kabinett des Ministers Narbonne übertrumpfen? Wird er Karriere machen und die Hand von Narbonnes kluge Tochter Charlotte erhalten?

Der große klassische Dramatiker Friedrich Schiller erweist sich auch mit dieser Komödie als Meister des Spannungsaufbaus und der Figurenzeichnung. Die Handlung des Stücks stammt aus der Feder von Louis Benoît Picard. Doch bei der Uraufführung der deutschen Übertragung wurde der Name des französischen Lustspieldichters nicht erwähnt. Schiller strich skrupellos alle Lorbeeren allein ein. Der junge Schweizer Regisseur Fabian Alder inszeniert die überraschende, in „schillernder“ Sprache verfasste Komödie als Koproduktion des Landestheaters Niederösterreich und des Stadttheaters Klagenfurt.

Besetzung: Tobias Artner, René Dumont, Heike Kretschmer, Emilia Rupperti, Petra Strasser, Tobias Voigt
Inszenierung Fabian Alder; Bühne Tommy Garvie; Kostüme Johanna Lakner

Landestheater St. Pölten – Großes Haus: letzte Vorstellung 20. 2. 2020

Hamlet

von William Shakespeare

Die Welt ist aus den Fugen. Der junge Prinz Hamlet erlebt die Wirklichkeit wie einen bösen Traum, in dem sämtliche Regeln und Gesetze außer Kraft gesetzt sind. Denn wie kann es anders sein, wenn seine Mutter den Mann heiratet, der seinen Vater ermordet hat? Und Claudius, der selbsternannte Stiefvater Hamlets und neue König, den Mord tief und fest verleugnet? Wie kann Gerechtigkeit herrschen, wenn die Welt auf Lügen aufgebaut ist? Doch der junge Prinz kennt die Wahrheit. Sein ermordeter Vater ist ihm als Geist erschienen, um Hamlet, dem rechtmäßigen Thronfolger, das Verbrechen zu enthüllen und zur Rache aufzufordern. Hamlet will die „verrückte“ Welt wieder einrichten, indem er den Auftrag seines Vaters erfüllt. Mit den Mitteln des Theaters und der Täuschung planter, das Verbrechen aufzudecken. Eine vorbeikommende Schauspieltruppe führt nach seinen Anweisungen ein Stück auf, in dem der König ermordet wird und der Mörder die Königin heiratet. Tatsächlich zeigt König Claudius’ Reaktion seine Schuld – er lässt die Vorstellung vor Zorn abbrechen. Aber die Wahrheit bringt keine Gerechtigkeit, sondern nur noch mehr Verderben ...

Der junge britische Regisseur Rikki Henry war Teilnehmer des Marstallplan-Festivals 2018 für junge Regie am Residenztheater München und früherer Mitarbeiter der Theaterlegende Peter Brook. In seiner ersten Arbeit am Landestheater Niederösterreich inszeniert er Shakespeares rätselhafte Tragödie als modernen Mythos über Macht und Moral.

Besetzung: Tim Breyvogel, Marthe Lola Deutschmann, Philip Leonhard Kelz, Bettina Kerl, Laura Laufenberg, Sami Loris, Tilman Rose, Michael Scherff.
Inszenierung Rikki Henry; Bühne Max Lindner; Kostüme Cedric Mpaka; Musik Nils Strunk.

Landestheater St. Pölten, Großes Haus:  letzte Vorstellung 10. 1. 2020
Zu Gast an der Bühne Baden: 3. & 4. 12. 2019

Quasi Jedermann

Helmut Qualtinger, der Menschenimitator. Mit Texten von Helmut Qualtinger; Musik von Wiener Blond Uraufführung!

Bis heute gilt er als die Verkörperung der österreichischen Seele. Sein Wiener Schmäh, dessen sprachliche Wurzeln bis zu Ödön von Horváth, Karl Kraus und Johann Nepomuk Nestroy reichen, sorgte für Begeisterungsstürme bei seinem Publikum. Die hochkomischen „Travnicek“-Dialoge des ewigen Nörglers mit seinem Partner Gerhard Bronner und die Interpretation des „Gschupften Ferdl“, der sich beim Tanz ein blaues Auge holt, gingen in die Kabarettgeschichte ein. Doch Helmut Qualtinger, den das ganze Land liebevoll den „Quasi“ nannte, war zugleich ein Stachel im Fleisch der spießbürgerlichen Nachkriegszeit. Witz und bitterböser Tiefsinn, treffsichere Pointe und Verzweiflung an den herrschenden Zuständen lagen bei ihm nah beieinander. Mit dem Monolog „Der Herr Karl“ von 1961 setzten Qualtinger und Carl Merz dem typischen Mitläufer und gesinnungslosen Opportunisten ein literarisches Denkmal. „Der Herr Karl“ löste eine nationale Kontroverse aus und wurde, weit über die österreichischen Grenzen hinaus, zur Kultfigur. „Quasi Jedermann“ ist eine musikalische Hommage an den Schriftsteller, Schauspieler, Kabarettisten und unvergleichlichen „Menschenimitator“, wie Helmut Qualtinger sich selbst bezeichnete. Gemeinsam mit dem bekannten Wienerlied-Beatbox-Duo „Wiener Blond“ und unserem Schauspiel-Ensemble wird die Regisseurin Christina Tscharyiski seine unsterblichen Figuren, die leidenschaftliche Lust an der Sprache und die unvergesslichen Lieder wieder aufleben lassen.

Inszenierung Christina Tscharyiski, Bühne Sarah Sassen, Kostüme Miriam Draxl, Musik Wiener Blond.
Besetzung: Tobias Artner, Hanna Binder, Josephine Bloéb, Tim Breyvogel, Michael Scherff, Wiener Blond Verena Doublier, Wiener Blond Sebastian Radon.

Landestheater NÖ, Großes Haus: letzte Vorstellung 9. März 2019
Stadttheater Baden: Freitag 23. 8. 2019

Frankenstein

Nach Mary Shelley, von Dominic Oley. Uraufführung!

Bei ihrem Sommeraufenthalt am Genfer See diskutierte eine Gruppe von Schriftsteller und Schriftstellerinnen und Freunden oft über philosophische Hauptfragen, über die Ursprünge des Lebens und, ob es je möglich werden würde, ihnen auf den Grund zu kommen. Der berühmteste unter ihnen war der Dichter Lord Byron, die jüngste war die 19-jährige Mary Shelley. In diesem Sommer 1816 war es unruhig in der Welt. Im Vorjahr war ein indonesischer Vulkan ausgebrochen und die daraus resultierende Klimakatastrophe war so mächtig, dass sie sogar das Wetter in Genf verdarb. Bei Regen und Gewitter musste die Reisegruppe mitten im Sommer den Kamin anzünden und dort ihre abendlichen Runden vor dem Feuer fortsetzen. Sie begannen, sich selbst erfundene Gespenstergeschichten erzählen.
Mary Shelley berichtet, wie sie bei diesen langen Kamingesprächen am Genfer See zusammensaßen und wie sie eines Abends mit der Idee, eine Gespenstergeschichte zu schreiben, ins Bett ging. Entstanden ist, in der Tradition alter englischer Gruselromane, eine meisterhafte Schauergeschichte. Sie erzählt aus dem Leben des Naturforschers Victor Frankenstein, der das „Elixier des Lebens“ findet. Er schafft ein künstliches Wesen und erweckt es zum Leben. Dabei hat er aber nicht bedacht, dass sein Geschöpf auch Gefühle hat. Es sehnt sich nach nichts mehr als nach einer Partnerin ...

Inszenierung Dominic Oley
Besetzung: Tobias Artner, Josephine Bloéb, Cathrine Dumont, Othmar Schratt.

Landestheater NÖ, Theaterwerkstatt: letzte Vorstellung 11. 6. 2019

Ödipus / Antigone

von Sophokles

Was ist da los in Theben? In der Stadt wütet die Pest, es herrscht Chaos. Der König selbst wird zur Verantwortung gezogen. Mit dem Mord an seinem Vater und der Hochzeit mit der eigenen Mutter hat König Ödipus Schuld auf sich geladen. Unwissentlich hat er dieses Unrecht begangen, behauptet er. Erst der blinde Seher Teiresias verhilft ihm zur Selbsterkenntnis. Verzweifelt über sich selbst und seine Tat, sticht sich Ödipus die Augen aus und flieht aus der Stadt. Das hinterlässt ein Machtvakuum für die nächste Generation. Nicht nur seine rivalisierenden Söhne Eteokles und Polyneikes, sondern auch seine Töchter Antigone und Ismene sind heillos überfordert. Es gilt das schuldbeladene Erbe des Vaters zu überwinden.

Die Saga um König Ödipus, der Konflikt zwischen seinem Nachfolger Kreon und seiner Tochter Antigone und das damit verbundene Schicksal Thebens gehört zu den zentralen Mythen der Antike. Es ist die Chronik einer Herrscherdynastie, in der das Streben nach Macht über Generationen hinweg stärker ist als die Verantwortung für das Gemeinwohl. Es ist auch die Geschichte einer Stadt, deren Untergang mit den machtpolitischen Konflikten dieser Familie eng verknüpft ist.

Inszenierung Alia Luque, Bühne Christoph Rufer, Kostüme Alia Luque, Kostüme Christoph Rufer, Musik Johanna Borchert.
Besetzung: Silja Bächli, Hanna Binder, Tim Breyvogel, Bettina Kerl, Tilman Rose, Michael Scherff.

Landestheater NÖ, Großes Haus: letzte Vorstellung 5. Juni 2019

Am Königsweg

Österreichische Erstaufführung von Elfriede Jelinek

„Gewählt ist gewählt“ – nach der letzten amerikanischen Präsidentschaftswahl sitzt der Schock bei den Verlierern so tief wie der neu gewählte König hoch auf seinem Thron. Bei den Gewinnern herrscht Jubel. Mit Immobilien, Golfplätzen und Casinos hat der König ein Vermögen verdient. Ab jetzt führt er die Geschicke des mächtigsten Landes der Welt und verspricht dem wütenden Volk die Befreiung von Arbeitslosigkeit und Kreditschulden. Zahlen sollen die anderen, dafür wird er schon sorgen. Die Wahl des Königs entfesselt weitere Kräfte und bringt ein schreckliches Schicksal.

Das neueste Stück der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek wagt den Blick in die jüngste Vergangenheit und nahe Zukunft und stellt die brisanten politischen Fragen unserer Zeit: Wie wollen wir künftig leben? Wieso lernen wir nicht aus den Fehlern der Vergangenheit? Wieso scheinen alle mit Blindheit geschlagen, vom König angefangen bis hin zu seinem Volk? Und was haben mit alledem Miss Piggy und ihre Freunde aus der Muppet Show zu tun? Elfriede Jelinek gehört seit Jahren zu den wichtigsten Stimmen des zeitgenössischen Theaters. Mit ihren sprachlich brillanten und assoziativen Textflächen findet sie historische Parallelen zu den Phänomenen unserer politischen Gegenwart, von den Idolen der Popkultur, den Helden der großen Königsdramen Shakespeares bis hin zum antiken König Ödipus.

Inszenierung Nikolaus Habjan, Bühne Jakob Brossmann, Kostüme Cedric Mpaka, Video Johannes Hammel, Musik Kyrre Kvam.
Besetzung: Hanna Binder, Bettina Kerl, Manuela Linshalm, Tilman Rose,

Landestheater NÖ, Großes Haus: letzte Vorstellung Dienstag 30. April 2019
Stadttheater Baden: Mittwoch 22. & Donnerstag 23. Mai 2019

Der Tag, an den mein Großvater ein Held war

Von Paulus Hochparterre, Uraufführung!

„So wäre es am ehesten gewesen.“ Paulus Hochgatterers jüngster Roman erzählt in der Möglichkeitsform und aus unterschiedlichen Perspektiven über die Ereignisse der letzten Kriegstage im Frühjahr 1945. Schauplatz ist ein Bauernhof im niederösterreichischen Mostviertel. Neben der Familie Leithner mit ihren fünf Töchtern leben dort auch die 13-jährige Nelli, die bei einem Bombenangriff ihre Erinnerung verloren hat, und ein weißrussischer Kriegsgefangener, der im Heustadel des Hofes unterkommt. Er ist Maler und versteckt ein geheimnisvolles Bild vor der Familie. Im dauerhaften Ausnahmezustand versucht die kleine Hofgemeinschaft trotzdem eine Art von Alltag. Als sich noch drei Wehrmachtssoldaten einquartieren, eskaliert die Situation und die Zivilcourage der Leithners wird auf die Probe gestellt.

Mit „Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war“ schrieb der österreichische Kinderpsychiater und vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Paulus Hochgatterer eine exemplarische Geschichte davon, wie man im Kriegszustand ein Mensch bleibt. Es geht aber auch um die Ungewissheit des Erinnerns und wie das Verdrängen und Verklären von traumatischen Erlebnissen in einer inhumanen Zeit stattfindet. Es ist ein eindringliches Kammerspiel, atmosphärisch dicht, vielschichtig, sprachlich knapp und präzise, ein „Meisterwerk der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“ (Der Falter).

Inszenierung Moritz Beichl, Bühne Moritz Beichl, Bühne Astrid Klein, Kostüme Astrid Klein, Musik Lukas Wandl.
Besetzung: Tobias Artner, Josephine Bloéb, Tim Breyvogel, Cathrine Dumont.

Landestheater NÖ, Theaterwerkstatt: letzte Vorstellung 9. Mai 2019.

Alice im Wunderland

von Lewis Carroll. ab 6 Jahren

Der berühmteste Eingang ins Reich der Fantasie ist ein Erdloch: Eines schönen Tages sitzt Alice auf einer Wiese, als plötzlich ein weißes Kaninchen mit Handschuhen und einer Taschenuhr an ihr vorbeiläuft und unter einer Baumwurzel verschwindet. Alice folgt dem Tier und fällt tief hinunter ins Wunderland. Dort ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Alles ist auf magische Weise anders als in der Welt der Erwachsenen. Auf den Spuren des Kaninchens begegnet sie einem verrückten Hutmacher, dem Märzhasen und einer weisen Raupe. Sie erhält Botschaften von der Grinsekatze und ist zu Gast auf der schrägsten Tee Party der Welt. Auf ihrer Reise durch das Wunderland meistert Alice die merkwürdigsten Abenteuer und wächst dabei über sich hinaus.

Inszenierung Simon Windisch, Bühne und Kostüme Lisa Horvath, Musik Robert Lepenik.
Besetzung: Tobias Artner, Cathrine Dumont, Robert Lepenik, Michael Scherff, Othmar Schratt, Nora Winkler.

Landestheater NÖ, Großes Haus: letzte Vorstellung 30. März 2019
Stadttheater Baden: Dienstag 19. & Mittwoch 20. März 2019

Liliom

Von Franz Molnár. Eine Koproduktion mit den Vereinigten Bühnen Bozen

Er ist Karussellausrufer, ein Frauenheld und Hallodri: Liliom verdreht im aufgeheizten Milieu im Prater jungen Frauen den Kopf und den Herren, die frech werden, den Arm. Als er sich in das Dienstmädchen Julie verliebt und deshalb von seiner eifersüchtigen Chefin entlassen wird, fällt er in ein Loch: Konfrontiert mit der Leere seines Daseins, ohne Aussicht auf eine finanzielle Besserung der Lebensumstände, versinkt Liliom in Spielsucht und Aggression. Einziger Ausweg scheint ein von seinem zwielichtigen Freund Ficsur vorgeschlagener Raubüberfall. Das soll schnelles Geld für ihn und seine kleine Familie bringen. Trotz schlechten Gewissens entscheidet sich Liliom, Teil des Verbrechens zu werden – doch der Plan geht schief …

„Liliom“, erschienen 1909, gehört zu den bedeutendsten Theaterstücken des 20. Jahrhunderts. Der Autor Franz Molnár erzählt mit viel Gefühl und zartem Humor vom unbedingten Wunsch nach Mehr und von der Sehnsucht nach einem besseren Leben. „Liliom“ entsteht als internationale Koproduktion des Landestheaters Niederösterreich und der Vereinigten Bühnen Bozen. Regisseur Sandy Lopicic inszeniert nach „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“ sowie „Der Revisor“ in der Spielzeit 2018/19 zum bereits dritten Mal am Landestheater Niederösterreich und wird Franz Molnárs Stück mit einem internationalen Ensemble aus SchauspielerInnen und dem bekannten Musikerduo „Die Strottern“ sowie dem Drehleierspieler Matthias Loibner auf die Bühne bringen.

Inszenierung Sandy Lopicic, Kostüme Aleksandra Kica, Musik Die Strottern, Matthias Loibner.
Besetzung: Hanna Binder, Josephine Bloéb, Tim Breyvogel, Patrizia Pfeifer, Tilman Rose, Wiltrud Schreiner, Matthias Loibner, Die Strottern.

Landestheater NÖ Großes Haus: letzte Vorstellung 2. Februar 2019
Stadttheater Baden: Dienstag 26. & Mittwoch 27. 3. 2019

Um die Wette

Komödie von Eugène Labiche, Deutsch von Elfriede Jelinek.

Nervosität macht sich breit in den Familien Malingear und Ratinois: Tochter Emmeline und Sohn Fréderic haben sich beim Klavierunterricht Hals über Kopf ineinander verliebt und wollen lieber heute als morgen heiraten. Als die Malingears herausfinden, dass es die potenziellen Schwiegereltern ihrer Tochter sind, die inkognito vor der Türe stehen, um sich ein Bild von den Verhältnissen des Hauses zu machen, kommt ihnen eine folgenschwere Idee: Aus Sorge, den Erwartungen der zukünftigen Verwandtschaft nicht zu genügen, werden die Gäste einfach getäuscht. Frau Malingear organisiert im Handumdrehen geliehenes Dienstpersonal und zahlreiche neue Patienten für die leere Arztpraxis ihres Gatten. Mit Fantasie und viel Aufwand werden Ansehen, Wohl- und Bildungsstand der Familie großzügig nach oben korrigiert. Angestachelt vom vermeintlichen Reichtum der Malingears ziehen die Eltern des Bräutigams umgehend nach – und der Wettlauf um den höheren sozialen Status ist nicht mehr aufzuhalten. Schon bald fließt das gesamte Vermögen beider Familien ins Aufrechterhalten dieses Scheins eines Lebens in verschwenderischem Luxus. Doch als sich Onkel Robert ungefragt zum gemeinsamen Sechsgänge-Menü selber einlädt, droht das mühsam aufgebaute Kartenhaus zusammenzustürzen …
Der junge Regisseur und Schauspieler Philipp Moschitz, der mit seinen lustvollen und temporeichen Inszenierungen am Münchner Metropoltheater Publikum und Kritik gleichermaßen begeisterte, inszeniert Eugène Labiches 1861 entstandene Komödie über Schein, Sein und die kleinen und großen Lügen des Wohlstandsbürgers mit Musik und viel Humor.

Inszenierung Philipp Moschitz, Bühne und Kostüme Isabelle Kittnar.
Besetzung: Martin Brunnemann, Cathrine Dumont, Gisa Flake, Laura Laufenberg, Tilman Rose, Michael Scherff, Anton Widauer.

Landestheater NÖ, Großes Haus: letzte Vorstellung 22. Jänner 2019
Stadttheater Baden: Dienstag 29. & Mittwoch 30. 1. 2019

Der gute Mensch von Sezuan

Von Bertolt Brecht; Musik von Paul Dessau.

Die Schöpfung der Welt scheint nicht vollends geglückt zu sein. Ungerechtigkeit, Armut und Unterdrückung beherrschen die Welt. So beschließen drei Götter, sich auf den Weg hinunter zur Erde zu machen. Auf der Suche nach gutherzigen und hilfsbereiten Menschen begegnen sie in Sezuan der armen Straßenprostituierten Shen Te. Sie ist die Einzige, die den drei Fremden ein Dach über dem Kopf anbietet. Zum Dank schenken die Götter Shen Te das Startkapital für einen kleinen Tabakladen.

Doch kaum hat sie das Geschäft eröffnet, wollen hilfsbedürftige Nachbarn, Verwandte und Freunde an ihrem kleinen Gewinn teilhaben. Sie alle bereichern sich auf ihre Kosten, wie auch der arbeitslose Flieger Sun, in den sich Shen Te verliebt und für den sie sich in Schulden stürzt. In ihrer Not erfindet Shen Te sich eine zweite Persönlichkeit und schlüpft in die Rolle des gewissenlosen Vetters Shui Ta. Unter seiner ausbeuterischen Führung wächst der Tabakladen zu einem Großkonzern.

Inszenierung Peter Wittenberg, Bühne Sascha Gross, Kostüme Cedric Mpaka, Kostüm- und Bühnenbildassistenz Katharina Kielmann, Musik Bernhard Moshammer.
Besetzung: Tobias Artner, Stefano Bernadin, Josephine Bloéb, Tim Breyvogel, Lili Epply, Bettina Kerl, Bernhard Moshammer, Tobias Voigt.

Landestheater NÖ St. Pölten, Großes Haus: letzte Vorstellung 15. 12. 2018
Stadttheater Baden: Dienstag 20. 11 & Mittwoch 21. 11. 2018

Der Revisor

von Nikolaj Gogol

Eigentlich lebt es sich in der russischen Provinzstadt, gelegen zwischen der weit entfernten Metropole Moskau und dem noch weiter entfernten Sibirien, ganz gut. Vor allem die Honoratioren der Stadt haben sich inmitten verfilzter Strukturen, undurchschaubarer politischer Gefüge und Korruption gemütlich eingerichtet. Erst das Gerücht, dass hoher Besuch aus Moskau angekommen sei, lässt sie aus ihrer Komfortzone aufschrecken. Den Stadthauptmann Skwosnik-Dmuchanowskij trifft’s wie ein Schlag: Ein Revisor kommt! Erst kürzlich flossen wieder einmal öffentliche Mittel in die private Tasche – da soll plötzlich ein offizieller Entsandter aus Moskau die kleinstädtischen Verhältnisse ganz genau unter die Lupe nehmen. Richter, Schulinspektor und Krankenhausdirektor werden zusammengetrommelt und ein Plan geschmiedet. Wie kann man die nach Jahrzehnten der Korruption verkrusteten Strukturen kurzfristig aufpolieren, um noch einmal davonzukommen? Was der Stadthauptmann nicht weiß: Bei dem soeben mit seinem Diener Ossip aus Moskau angereisten „Revisor“ handelt es sich eigentlich um den bankrotten, aber unverschämt dreisten Kleinbeamten Chlestakow …

Nikolaj Gogol stellt in seiner bitterbösen Farce die bestehenden Verhältnisse auf den Kopf und die skrupellosen Machthaber werden selbst zu Opfer von Schwindel und dreister Nutznießerschaft. Die 1835 in Russland entstandene Komödie hat dabei nach wie vor nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.

Darsteller: Josephine Bloéb, Tim Breyvogel, Michael Scherff.
Inszenierung Sandy Lopicic, Bühne Michael Köpke, Kostüme Aleksandra Kica, Musik Imre Lichtenberger Bozoki, Dramaturgie Kai Krösche.

Landestheater NÖ, St. Pölten – Großes Haus: letzte Vorstellung 13. 6. 2018.
Stadttheater Baden: Mittwoch 22. 8. 2018 & Mittwoch 5. 9. 2018

Der Zerissene

von Johann Nepomuk Nestroy

Herrn von Lips mangelt’s, so könnte man meinen, an nichts – und doch leidet der in grenzenlosem Reichtum und Luxus schwimmende Junggeselle an entsetzlicher Langeweile. Was wäre da geeigneter als der kühne Entschluss, die nächstbeste Frau vom Fleck weg zu heiraten? Das Wagnis wird zum Verhängnis, als Lips auf die ihm zugetane Madame Schleyer trifft und prompt mit deren ehemaligem Liebhaber Gluthammer physisch aneinandergerät. Mitten im Kampf stürzen beide in einen reißenden Fluss und die Welt des Herrn von Lips gerät in eine gehörige Schieflage: Im Glauben, das Leben des Nebenbuhlers auf dem Gewissen zu haben, sieht sich Lips gezwungen, unterzutauchen und inkognito an einem seiner Höfe als Stallbursche anzuheuern. Dort findet er in Kathi, dem herzlichen Patenkind des Hofpächters Krautkopf, seine einzige Verbündete und erfährt zum ersten Mal am eigenen Leib, was es bedeutet, nicht sein eigener Herr zu sein.

Ist unser Glück tatsächlich vom Geld abhängig? Was ist dann zu viel, wie viel zu wenig? Bedeutet Wohlstand Freiheit oder Gefangenschaft? Und was, wenn sich das Verhältnis von Arm und Reich mit einem Schlag umkehrte? Diese und andere Fragen beleuchtet Johann Nepomuk Nestroy in seiner wortgewandten Posse auf lustvolle Weise und mit dem für ihn bezeichnenden, subversiven Witz.

Die mehrfach preisgekrönte österreichische Filmregisseurin Sabine Derflinger (u. a. „Vorstadtweiber“ und „Tatort“) wird Nestroys temporeiche Verwechslungskomödie auf die große Bühne des Landestheaters bringen.

Ensemble des Landestheater Niederösterreich und Gäste.
Inszenierung Sabine Derflinger, Dramaturgie Kai Krösche.

Landestheater NÖ St. Pölten – Großes Haus: letzte Vorstellung 17. 5. 2018
Stadttheater Baden: Mittwoch 4. & Donnerstag 5. April 2018

Ein Theaterprojekt von Árpád Schilling

Uraufführung

Es ist ein Theater der besonderen Art…
… das der ungarische Regisseur und Autor Árpád Schilling seit vielen Jahren entwickelt. Sein Bezugspunkt und Resonanzraum sind unsere Gegenwart und der spezifische Ort, an dem das Stück gezeigt wird. Basierend auf aktuellen Geschehnissen, Gesprächen mit ExpertInnen und der aktiven Teilhabe des Schauspiel-Ensembles spürt er dabei den gesellschaftlichen und politischen Stimmungen unserer Zeit nach: Wie wollen wir zu Zeiten des rasanten Wandels künftig leben, nach welchen Werten wollen wir uns orientieren, wie flexibel wollen wir auf neue Lebens- und Arbeitswelten reagieren? Das Stück, das am Ende auf der Bühne zu sehen sein wird, entsteht nach und nach in der Probenarbeit. Aufgrund der prozesshaften Theaterarbeit stehen vor Probenbeginn weder der Titel noch eine fertige Textfassung fest.

Darsteller: Tim Breyvogel, Cathrine Dumont, Bettina Kerl, Michael Scherff, Helmut Wiesinger.
Inszenierung, Visuelles Konzept Árpád Schilling, Dramaturgie Kai Krösche, Bence Bíró, Projektleitung Ildikó Ságodi, Regieassistenz, Übersetzung Luca Pályi, Oliver Illés.

Landestheater NÖ St. Pölten – Großes Haus: letzte Vorstellung 17. 2. 2018
Stadttheater Baden: Dienstag 23. & Mittwoch 24. 1. 2018

Landestheater Niederösterreich Spielzeit 2021/22

Die Welt ist Groß
– mit diesem Leitmotiv haben wir programmatisch vor 5 Jahren am Landestheater gestartet. Die Idee, dass das Theater als Kulturbotschafter zwischen Kulturen, Sprachen und Herkünften agiert, hat sich in einem vielseitigen Spielplan mit internationalen Künstler und Künstlerinnen, Koproduktionen und Gastspielen niedergeschlagen. Aber was bedeutet es, wenn plötzlich ein unsichtbares Virus die ganze Welt bedroht, Reisen eingeschränkt sind und jede Begegnung fast unmöglich wird? Seit über einem Jahr sind wir im Krisenmodus, weltweit und in allen gesellschaftlichen Bereichen. Unser Theater – wie viele andere Kulturinstitutionen – musste schließen. Wir mussten ohne Sie, unser Publikum, klarkommen. Unsere einzige Verbindung war die digitale Bühne, mit #wirkommenwieder waren wir mit Ihnen in Kontakt und konnten unsere Stücke und Veranstaltungen mit Ihnen per Stream teilen. Es war ein großartiges Erlebnis, wie viele Menschen Theateraufführungen zu Hause in ihren Wohnzimmern und manche sogar aus verschiedenen Teilen der Welt in Anspruch genommen haben.

Pläne und Planänderungen
Hinter den Türen konnten wir für längere und kürzere Phasen proben – allerdings immer nur bis zum nächsten erwartbaren und trotzdem immer überraschenden Lockdown. Im Laufe der Zeit hat sich die Perspektive auf die Entwicklung der Pandemie und damit die Möglichkeiten des Arbeitens im Theater, wie überall auf der Welt, laufend verändert. An dieser Stelle möchten wir uns von Herzen für das unermüdliche Engagement des gesamten Landestheater-Teams bedanken! So stehen wir theaterhistorisch vor einer bemerkenswerten Premiere: Noch nie in der Geschichte sind allerorts so viele Stücktitel von einer in die nächste Spielzeit verschoben worden. Gemeinsam mit den unvollendeten Inszenierungen (mit unterschiedlichem Probenstand von „erst angefangen“ bis „Premieren-fertig“) aus der letzten Spielzeit und den neuen Stücken haben wir versucht, eine stimmige inhaltliche Konzeption für die neue Saison zu entwickeln.

Alles wird anders
Mit vielen Themen musste sich unsere Gesellschaft auch schon vor der Pandemie auseinandersetzen: Globalisierung, neue Arbeitswelten, Klimakrise, Geschlechter- und Generationskonflikte. Die Hoffnung, dass nach der Corona-Krise alles anders wird, wird sich vielleicht nur teilweise erfüllen und nicht ohne unser Zutun. Aber im besten Fall erkennen wir eine neue Dringlichkeit, uns gemeinsam und kompromissbereit mit den offenen Fragen zu beschäftigen und sie nicht zu verdrängen. Die Stücke und Stoffe, die wir ausgewählt haben, können für dieses kollektive Nachdenken und Diskutieren über die Gestaltung unserer Zukunft Impulse geben.

Deshalb freuen wir uns, Ihnen eine Fülle an großen Klassikern von Shakespeare über Nestroy, von Thomas Mann bis Georg Büchner und Elias Canetti bis Bertolt Brecht zu präsentieren. Es sind Stücke, die die Vergangenheit beleuchten, um daraus zu lernen, wie wir in Zukunft mit einer neuen Achtsamkeit, mit Solidarität und mit Empathie miteinander umgehen wollen. Es gibt viele neue Stücke, Uraufführungen und Stückentwicklungen, die wie durch ein Brennglas unsere Zeit reflektieren – und uns im besten Fall von unseren Ängsten vor Virus-Ansteckungen und nächtlichen Träumen über Fallzahlen und Immunität befreien. Mit einem ökologischen Schwer- punkt wollen wir auch am Landestheater Niederösterreich einen Beitrag zum Thema „Umwelt und Nachhaltigkeit“ leisten. Unter dem Titel „Die beste aller Welten“ geht es um Viele dieser Theaterprojekte sind in Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern und Künstlerinnen und Koproduktionspartnern entstanden. Wir erobern gleichzeitig weitere Orte in Stadt und Land, die bislang noch nicht mit Theater in Verbindung gebracht wurden, wie die Ehemalige Synagoge, das Museum Niederösterreich, das Alternativ-Kultur-Zentrum Sonnenpark, Cafés, Plätze und verbinden uns mit Institutionen in der Region. Wir träumen von einem Theater als Gesprächspartner für Sie, das verstärkt den Dialog und Austausch sucht, so laden wir Sie bei der Produktion „Ein Volksfeind“ ein, aktiver Teil dieser Inszenierung zu sein. Die Spielzeit wird künstlerisch geprägt von besonders vielen Regisseurinnen, wie Ruth Brauer-Kvam, Anne Bader, Annette Holzmann, Sara Ostertag, Jana Vetten, Anna Marboe, Evy Schubert, Anna Klimesova, Nehle Dick, Asli Kişlal, von jungen, aufstrebenden Regietalenten, wie Moritz Beichl, Kaja Dymnicki, Rikki Henry, Alexander Pschill und internationalen Regiestars, wie Frank Castorf, Luk Perceval und Nikolaus Habjan.

Next Genration
Die Pandemie war vor allem auch für Kinder und Jugendliche eine heraus- fordernde Zeit. Stillstand und eingeschränkte Bewegungsfreiheit stehen gegen das Jung-Sein und die Erkundung der Welt. Mit unserem vielfältigen Programm für alle Altersstufen, dem Jugendclub und den vielen Workshops wollen wir mit der Kraft der Fantasie und den spielerischen Möglichkeiten jungen  Menschen Perspektiven für ein gelingendes Leben aufzeigen. Diesmal beginnt das Theaterangebot bereits für ab 3-jährige!

 Hoffnung und Optimismus
Die Theaterkunst steht für Optimismus – für das Weitermachen für eine bessere Welt, indem wir mit Fantasie, Magie und Theaterzauber die Wirklichkeit überlisten. Und dazu gehört auch das gemeinsame Feiern: unser 200-jähriges Theaterjubiläum geht in die zweite Jahreshälfte, mit dem Bürger*innentheater erinnern wir an 100 Jahre autonomes Niederösterreich und mit einem musikalisch-literarischen Abend lassen wir die „Schubertiade“ im Rahmen von „200 Jahre Schubert in St. Pölten“ wieder aufleben.

#bleibenwirachtsam
Die polnische Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk schrieb bereits im letzten Jahr nach dem ersten Lockdown: „Der Virus hat uns ins Gedächtnis gerufen, was wir so leidenschaftlich verdrängt hatten: dass wir fragile Wesen sind, gebaut aus der zartesten Materie“.

#wirsindwiederda
Wir freuen uns auf Ihren Besuch im Theater – diesmal wieder LIVE!

Marie Rötzer – Künstlerische Leitung
Julia Engelmayer – Leitung Dramaturgie